#49: Nachhaltig strategisch

von Hermann-Josef Baaken

"Es gibt kein höheres und einfacheres Gesetz für die Strategie, als seine Kräfte zusammenzuhalten."

(Carl v. Clausewitz)

Wir befinden uns in einer extremen Ausnahmesituation. Doch auch dann gibt es einige (Personen, Organisationen, Interessengruppen, was auch immer), die ihre eigene Agenda verfolgen und Sorge haben, dass sie nicht mehr gebraucht oder ihr Thema vergessen wird. Angesichts der größten Krise, die die Welt je zu Lebzeiten der jetzigen Bevölkerung hatte, ist das schon verwunderlich.

Im Sturm der Corona-Infektionen finden Videokonferenzen statt, bei denen es um die Reduzierung von Methangasen bei Milchkühen oder die Frage geht, warum Lachs keine natürliche Farbe hat. Nachhaltigkeit stand immer schon auf der Tagesordnung, auch jetzt. Das ist sicher richtig und gut. Nur werden wir uns bald fragen müssen, wie sich die Koordinaten verändert haben und ob die Ziele von gestern auch morgen noch valide sind. Dass die Wälder in Brasilien immer noch brennen, freut niemand. Aber in der jetzigen Situation ist die Gesundheit der Menschen in aller Welt wichtiger.

Ein zurück zu regionalen Produkten (von der in Deutschland hergestellten Atemschutzmaske oder dem Impfstoff bis zum Apfel, der Kiwi oder dem argentinischen Steak) - wie manchmal vorgegaukelt wird - löst keine weltweit über lange Zeit entstandenen Probleme. Auch der Appell, einer müsse ja anfangen, nicht! Jetzt müssen wir alle daran arbeiten, dass die Welt nicht aus den Fugen gerät. Jetzt ist Solidarität untereinander gefragt, das Verständnis für die gegenseitigen Probleme und deren Lösungen. Strategien sind gefragt, und dafür benötigt man die Ruhe und nicht gerade eine Krise.

Wissenschaftliche Fakten helfen auf jeden Fall, in Krisenzeiten zur Objektivität zurückzukehren, wenn die Emotionen über die Strenge geschlagen sind.

+++ Earth Overshoot Day: Dieser definierte Tag markiert das Datum, an dem die Nachfrage der Menschheit nach ökologischen Ressourcen und Dienstleistungen in einem bestimmten Jahr das übersteigt, was die Erde in diesem Jahr regenerieren kann. Im Jahr 2020 landete der Earth Overshoot Day am 22. August. Wir halten dieses Defizit aufrecht, indem wir Vorräte an ökologischen Ressourcen aufbrauchen und Abfälle ansammeln, vor allem Kohlendioxid in der Atmosphäre. Der Earth Overshoot Day wird vom Global Footprint Network ermittelt, einer internationalen Forschungsorganisation, die Entscheidungsträgern eine Auswahl an Werkzeugen zur Verfügung stellt, um die menschliche Wirtschaft dabei zu unterstützen, innerhalb der ökologischen Grenzen der Erde zu arbeiten. +++

+++ REWE regional: Rewe setzt mit einer neuen Kampagne auf Nähe: „Gutes gibt es so nah. Frisch aus Deiner Region“. Die Bedeutung der Heimat soll damit noch stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Neu ist die Kombination mit einer Gutschein-Aktion, mit der sowohl regionale Freizeitanbieter einbinden und unterstützen als auch Kunden durch zusätzliche Gratis-Tickets zu gemeinsamen Aktivitäten einladen. In dem TV-Sport erleben Zuschauer, wie „nah das Gute liegt und wie gut Nähe tut“, so Rewe. Der Clip wurde im August mehrmals täglich ausgestrahlt. Darüber hinaus wird die Kampagne über POS, Hörfunk, Handzettel und Onlinekanäle ausgespielt (Quelle: LZ). Ob diese heile Welt allerdings die erforderliche Ehrlichkeit und Nähe erzeugt, ist angesichts der aktuellen Diskussion fraglich. Dann besser der Spot aus dem letzten Jahr. +++

+++ Tierfutter emotional: manchmal würde man sich in der Landwirtschaft wünschen, mit einer emotionalen Werbung die Kunden überzeugen zu können. So wie Lidl mit dem Hundefutter. Die Schwarz-Tochter rangiert mit diesem Spot für die Sonderedition "Bodo's Beste" des Orlando-Hundefutters auf dem zweiten Platz der erfolgreichsten Werbespots der letzten Monate. Hierfür hatte der Discounter TV-Ikone Hausmeister Krause und Kult-Dackel Bodo eingespannt. +++

+++ Ja, Soja: Ohne Importe von Agrarrohstoffen geht es nicht. Dr. Hubert Lenz erklärt die Zusammensetzung des Futters für Nutztiere und räumt mit einigen Vorurteilen auf. Dabei spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle, und vor allem braucht er keine langen Erklärungen. +++

+++ Aerosole im Fleischwerk: In einer gemeinsamen Studie verschiedener anerkannter wissenschaftlicher Institutionen wurden die Ursprünge des ersten SARS-CoV-2-Ausbruchs im Mai 2020 bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, dem größten deutschen Fleischverarbeitungsunternehmen, untersucht. Die Studienergebnisse sind nun auf der Preprint-Plattform SSRN erschienen. Die Wahrheit ist manchmal anders als die politische Diskussion verläuft: Die Übertragung durch Aerosole wurde über mehr als acht Meter nachgewiesen. Die Wohnsituation der Arbeiter scheint nachrangig. Das entlastet das Unternehmen bei seinem Umgang mit den Arbeitnehmern, hält aber trotzdem die Politiker nicht davon ab, die Gelegenheit für eine Gesetzesänderung mit Blick auf Arbeitnehmerüberlassungen zu nutzen. Emotionen schlagen Fakten.

+++ Und immer wieder Tönnies und Fleisch: Ein bemerkens- und wirklich lesenswertes Interview gab Clemens Tönnies nach dem Shitstorm und extremen Beeinträchtigungen seines Geschäfts in der Lebensmittelzeitung und der agrzeitung. Tenor: wir kommen da raus! +++

+++ Zu guter letzt eine Wiederholung in Sachen CORONA: Mit dramatischen Worten hatte sich Kanzlerin Angela Merkel vor einer Woche (17.10.2020) in ihrem Video-Podcast an die Bevölkerung gewandt. Jetzt greift sie zu einer besonderen Maßnahme: Sie wiederholt nach einer kurzen Einleitung einfach eine alte Podcast-Folge. Das ist mutig und richtig +++

 

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