#51: Zurück zur Natur - aber ohne mich!

von Hermann-Josef Baaken

"Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg."

(Henry Ford)

Es ist immer das gleiche: viele intelligente Menschen streiten um die richtige Lösung. Wenn sie sich zusammenraufen und an einem Strang ziehen würden, könnte so vieles erreicht werden. Und dennoch gibt es Gründe, getrennte Wege zu gehen - das zumindest meinen die Menschen, wenn sie ihre Motive beschreiben und vielleicht auch Ausreden für ihr persönliches Handeln finden.

Alternative Energien, die richtige App für die Corona-Pandemie, das E-Auto, Smart Cities. Jüngstes Beispiel ist die neue Welle um "Urban Gardening". Beobachten wir die High Potentials und bekannte Gesichter in Funk und Fernsehen, könnte man glauben, dass wir auf dem Weg zur Subsistenzwirtschaft sind. Judith Rakers hat mit ihrem Homefarming die Boulevardpresse auf sich gezogen. Das muss dann wohl alles seine Richtigkeit haben.

Produkte aus dem eigenen Garten - das kommt der Rückkehr zur Subsistenzwirtschaft gleich. Doch was steckt dahinter? Das Gefühl, unabhängig zu sein und zugleich nachhaltig? Es mag beruhigen, ist aber fachlich falsch. Denn Landwirtschaft als Urzelle der Wirtschaft macht vor, wie die Kreisläufe funktionieren: den unvermehrbaren Boden bewirtschaften und von ihm Pflanzen ernten, die entweder gegessen oder an die Tiere verfüttert werden. Daraus wiederum entstehen tierische Produkte wie Fleisch, Eier, Milch und Honig. Reste oder besser gesagt Nebenprodukte oder noch besser Koppelprodukte gelangen zurück auf die bewirtschafteten Flächen. Als Dünger und somit Nährstoffe führen sie die Saat erneut zu Erträgen, die vorher geerntet und dem Boden entzogen wurden. Ein Kreislauf, der auch nach Jahrtausenden noch intakt ist. Und nun das alles im hauseigenen Garten? Oder auf dem Balkon mit viel Energie und zusätzlichem "Input", der gar nicht aus der Natur kommt, und verarbeitet mit viel Aufwand an Ort und Stelle transportiert wird. Sicher, der Handel wird ausgeschaltet. Das wäre und ist der Vorteil.

Wir reden über Kreisläufe, die im Anthropozän neu definiert und bewertet werden. Anthro... was? Das ist die Bezeichnung - allerdings derzeit nur der Vorschlag zur Benennung - einer neuen geochronologischen Epoche: nämlich des Zeitalters, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist. Nachhaltigkeit soll der Kern sein, während die gesellschaftlichen Anforderungen dabei vielfach eine höhere Bedeutung erlangen als die anderen Kriterien des Dreiecks, das in seiner Balance sein soll.

So könnten Schlachtnebenprodukte - also tierisches Eiweiß - durchaus wieder in den Kreislauf gebracht und entweder vom Menschen konsumiert oder vom Tier verwertet und damit aufgewertet werden. Wenn denn nicht der Vorbehalt nach einer einschneidenden Krise bestünde, und somit diese wie andere Nebenprodukte - niemand möge sie Abfälle nennen - in die Verbrennung wandern und damit dem Kreislauf entzogen werden.

Oder Kühe: wenn es nach den Umweltpolitikern ginge, würden sie abgeschafft, weil die Wiederkäuer nun mal durch ihren speziellen Magen wiederkauen und somit Methan ausstoßen. Doch die Kuh - so erläutern Wissenschaftlicher gebetsmühlenartig ohne verstanden zu werden - sind im Kreislauf unverzichtbar, weil sie wertvolles Grün verwerten können. Wer sonst sollte das tun? Menschen? Das Prinzip der Veredlung ist eben ein Teil der Nachhaltigkeit. Deshalb daran zeigt sich auch wie wichtig es ist, dass wieder ein Verständnis für biologische Kreisläufe entsteht, auch wenn hier und da im Garten die Eigenversorgung ausprobiert wird. Das Einzelproblem läßt sich dadurch lösen. Mehr aber auch nicht.

Urban Gardening ist dann wirklich nur ein Schritt, mit dem eigenen Körper und Geist zu lernen, wie anfällig und zugleich leistungsfähig die Natur sein kann. Erfolge wie Erträge und Misserfolge wie Missernten nach der Invasion der Schädlinge machen offensichtlich, dass der Mensch mit seinen Hilfsmitteln eine Antwort auf die Natur geben kann.

+++ Vertical Farming: Seedbars, Rezepte und Tipps für die Farm zuhause. Die nächste Phase der Startups ist unterwegs und bietet high sophisticated Lösungen für die Umsetzung. Motiviert von dem hohen Anteil der Weltbevölkerung, die in Städten wohnt. Das sind derzeit mehr als 50 Prozent, die im urbanen Umfeld wohnen. Ein Beispiel: https://www.agrilution.de  Aber wie sollen die sich in den engen Wohngebieten die Nahrung selbst erzeugen? +++

+++ Blühstreifen: An vielen Feldern in Deutschland haben Landwirtinnen und Landwirte solche Blühflächen angelegt, auf denen viele verschiedenen Pflanzen blühen. Sie helfen dabei, die Artenvielfalt zu erhalten. Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten finden dort Nahrung. Die Blühstreifen sind etwa 5 Meter breit. Wenn man ihre Anbaufläche in Deutschland zusammenrechnet und sich Blühstreifen als ein Band vorstellt, sind das rund 200.000 Kilometer. Das ist in etwa so viel, als würde ein Mensch fünfmal die Erde umrunden. Die moderne Landwirtschaft findet natürliche Methoden, um unsere Artenvielfalt zu fördern. Hier beispielhaft eine Aktion für Patenschaften im Rheinland: https://www.rlv.de/bluehpatenschaft-neuss-mg/ +++

+++ Regionale Herkunft: Spargel im Frühling, Kürbis im Herbst: In Deutschland wird jedes Jahr eine Vielzahl an saisonalen Obst-und Gemüsesorten angebaut. Der Trend in Deutschland geht dabei immer mehr Richtung regionaler Produkte. Der Lebensmittelverband klärt über die Herkunftsbezeichnung auf. +++

+++ Fake: 61% der für eine Studie der Vodafone Stiftung befragten 14- bis 24-Jährigen haben bereits Falschnachrichten über Messengerdienste erhalten. Insbesondere Nutzer/innen von WhatsApp und den Chatfunktionen von Twitter, Facebook oder Instagram sehen sich damit konfrontiert (je 40 %). Hauptquellen sind dabei Bekannte. Zum Umgang mit Desinformation veröffentlichte die Friedrich-Naumann-Stiftung 10 Empfehlungen: Unter anderem solle der Begriff „Fake News“ vermieden werden, da dieser zur Diskreditierung öffentlicher Medien missbraucht würde. +++

+++ Sport im Podcast: Nicht ganz uneigennützig, aber dennoch an den praktischen Bedürfnissen orientiert ist der Podcast #SEITENLINIE des Turn- und Sportverein Norf mit wertvollen Rätschlägen zu Sport und Bewegung in der Zeit der Corona-Kontaktbeschränkungen. Ein wöchentliches Muss mit meiner persönlichen Moderatrion. +++

+++ Meine Podcast-Hitliste: Demaskiert (mit den Olympia-Fechtern Szabo und Hartung), KRAUTNAH (Pflanzenforschung für Jedermensch), DENKFUTTER (Austausch von Ex-Fussballer Marco Bode und dem Kommunikationschef der größten deutschen Molkerei DMK (Oliver Bartelt))

+++ Zu guter Letzt: Corona ist der Sportsfeind Nr. 1. Jetzt ist die Variante P1 da, und es geht schnell – in Kanada mehrten sich die Fälle binnen Tagen: Aus zwei- wurde dreistellig. Jüngster Vorfall ist ein COVID-Ausbruch unter Eishockey-Spielern. Wird P1 auch für Deutschland zum Problem? +++

 

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