#48: Fleisch, Fleisch, Fleisch

von Hermann-Josef Baaken

"Immer, wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen."

(Mark Twain)

Alle reden in diesen Tagen nur noch über Fleisch oder gegen Fleisch. Wie konnte das passieren? Jetzt mal die Fakten auf den Tisch! Die reflexartigen Reaktionen auf die Nachrichten in mehreren Fleischwerken über Corona-Infektionen sind erstaunlich und haben offenbar etwas mit der Überlebensstrategie von Politikern zu tun. Nicht, dass man/Frau sachlich die Lage beurteilt und dann in Ruhe nach der Krise die notwendigen Entscheidungen trifft - zugegeben dann mit einem Lerneffekt aus dem, was man jetzt an Unzulänglichkeiten feststellte - sondern mitten in der Krise werden Maßnahmen ergriffen wie Gesetzesänderungen, ohne die Lage genau auf ihre Folgen zu überprüfen. Was nicht sein darf, soll nicht sein.

Das ist kein gutes und professionelles Krisenmanagement, aber typisch für ein gesättigtes Land, in dem mal alles haben kann und gegen Geld bekommt, was man sich wünscht. Die 750 Milliarden zum europäischen "Wiederaufbau" sind ein weiteres Beispiel für die Füllhorn-Mentalität. Hoffen wir auf die Einsicht der Entscheidungsträger, dass Maß und Mitte die besten Ratgeber für Entscheidungen sind, auch und gerade in der Krise. Denn es kommt eine Zeit danach, in der alle auch weiter - wenn auch weniger - Fleisch essen, das nach den Regeln der Vernunft unter akzeptablen Arbeitsbedingungen in aller Welt hergestellt werden wird. Jetzt sieht es so aus, als kehre man vor seiner eigenen Haustür, kümmere sich aber nicht um die importierte Ware. Achja, da steht ja noch ein Lieferkettengesetz zur Diskussion. Also gut - es wird schon werden.

Und nun zur Sache:

+++ Zahlen, die beeindrucken: In Deutschland stehen circa 25,4 Millionen Mastschweine und 3,9 Millionen Milchkühe in den Ställen (oder laufen auf der Weide). Hört sich viel an, ist es auch. Die Stärke besteht in der Leistungsfähigkeit und den Möglichkeiten, Lebensmittel neben der Eigenversorgung für die globale Ernährung zu produzieren. So wie die Automobilindustrie: In Deutschland werden 4,66 Millionen Fahrzeuge produziert. (Quelle: Statistisches Bundesamt) +++

+++ Fleisch im Alltag: Im Gegensatz zum seit Jahren rückläufigen Schweinefleischkonsum nimmt der Verbrauch von Hühnerfleisch sukzessive zu. Bei Rindfleisch ist das Konsumverhalten nahezu gleichbleibend. Durchschnittlich werden in Deutschland pro Kopf 14,6 kg Rindfleisch, 47,3 kg Schweinefleisch und 23,3 kg Geflügelfleisch verbraucht. Im weltweiten Vergleich ist der Fleischverbrauch in Ländern wie Australien und den Vereinigten Staaten von Amerika mit über 100 kg/Kopf am höchsten. Dagegen liegt der Verbrauchswert in Indien nur bei 3,7 kg/Kopf. (Quelle: BLE) +++

+++ Fleisch im Einsatz: Mittlerweile werden 12 Prozent aller Schweine nach übergesetzlichen Kriterien (so genannte Tierwohlprogramme) gehalten. Übrigens besteht das Schwein nur zu 55 Prozent aus Fleisch. Die anderen Teile sind rote und weiße Organe, Knochen, Blut, Haut und Fett - alles wird verwertet. Manches davon geht in andere Länder. Vertrauen und Nachvollziehbarkeit ist eine wichtige Grundlage für den weiteren Konsum, denn der Wert des Fleisches ist grundsätzlich unbestritten. Metzger haben die kürzeste Verarbeitungskette und können am besten die Herkunft schildern, so wie in Neuss Matzners Genusswelt (Facebook oder Webseite) - am besten aber im persönlichen Gespräch. +++

+++ Bürgermeister und Kommunalpolitiker genießen Vertrauen: Spätestens mit der Coronakrise hat sich das Vertrauen wieder massiv verbessert, nachdem es zuvor äußerst schlecht war, wie neue Forschungen zeigen. Im Vergleich zur Bundespolitik genießen Bürgermeister und Kommunalpolitiker vor Ort durchaus ein hohes Vertrauen. Das war schon immer so und gilt vor allem für kleinere Kommunen. Als Faustregel zeigt sich in allen Umfragen seit Jahren: Je kleiner die Gemeinde, desto höher das Vertrauen der Bürger. Mehr dazu in der aktuellen Forsa-Studie. +++

+++ Tierisch gesund: Das Tier als ständiger Begleiter - ob Hund, Katze oder Meerschweinchen, leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit: Reduzierung von Stress, Bewegung beim regelmäßigen Spaziergang, Vorbeugung gegen Krankheiten, Zufriedenheit - und vieles mehr. Nun ergibt sich die Frage, ob der COVID-19-Coronavirusstamm auch für Tiere problematisch ist. Dazu die klare Antwort: Er ist spezifisch für den Menschen.. Zwar können viele Formen von Coronaviren bei Tieren vorkommen, aber keine davon löst COVID-19 aus und Viren, die eine Spezies befallen, wirken sich nicht auf eine andere aus. Nutztiere haben ihre eigenen Coronaviren, die spezifisch für ihre jeweilige Spezies und für den Menschen nicht infektiös sind. Das weltweit führende Unternehmen im Bereich der Tiergesundheit Elanco hat hierzu viele Informationen bereitgestellt. +++

+++ Corona-Warn-App (Fortsetzung): Jetzt ist die Corona-Warn-App auf dem Markt und wurde gut 13,3 Millionen Mal auf die Smartphones geladen. Wer das noch nicht getan hat, sollte es unbedingt tun und damit seine Verantwortung für die Gesundheitssicherung wahrnehmen. Das Robert Koch-Institut (RKI) hält weiterhin alle über die wissenschaftlichen Erkenntnisse und mit Empfehlungen auf dem Laufenden. +++

+++ Zu guter letzt: Lasst uns auf Fleisch verzichten und Kartoffeln essen. Wo man die einkaufen kann, ist jedenfalls überzeugend: Video +++

 

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